Vier Wochen, die ein Leben verändern: unsere Initiative für Praktikumsplätze im Saarland
„Ich habe zwei Wochen lang nur geweint. Ich verstand nichts. Ich dachte, ich kann das nicht."
So beginnt Yanas Geschichte. Yana kam 2022 aus Kiew, mit ihren beiden Kindern und einem einzigen deutschen Wort im Gepäck: „Danke." Heute steht sie hinter der Theke einer kleinen Bäckerei am Rande von Saarbrücken, kennt die Stammkundschaft mit Namen und macht Schichtpläne mit. Dazwischen liegen vier Wochen — vier Wochen Praktikum, die alles verändert haben.
Yana ist kein Einzelfall. Sie ist der Grund, warum wir am taylorix institut eine neue Initiative ins Leben gerufen haben.
Mit der Initiative „Praktikumsplätze für Geflüchtete im Saarland" bringen wir zwei Welten zusammen, die sich gegenseitig brauchen:
Vier Wochen Praktikum — unbezahlt, mit Versicherung über uns, mit sozialpädagogischer Begleitung durch unser Team. Das ist die Brücke.
Wir erleben es täglich: Integrations- und Sprachkurse werden gekürzt. Förderbescheide bleiben aus oder kommen Monate zu spät. Zwischen Kurs A und Kurs B liegen oft ein, zwei, drei Jahre — und wer aus dem System fällt, kommt schwer zurück.
Selbst wer B1 erreicht, hat oft ein Problem: Sprechen geht meistens. Aber Schreiben, Lesen, Rechtschreibung — das bleibt lückenhaft. Die Klassenraum-Sprache reicht nicht für den Arbeitsalltag. Was fehlt, ist Praxis.
Ohne Sprache — kein Job. Ohne Job — keine Sprachpraxis. Eine Sackgasse, aus der niemand allein herauskommt.
Unser Sozialpädagogen-Team
Genau hier setzt unsere Initiative an. Wir öffnen die Sackgasse — gemeinsam mit den Unternehmen im Saarland.
Ehrlich gesagt: Wir wissen, dass Sie auch von dieser Initiative profitieren. Und das ist gut so. Aus vier Wochen Praktikum werden in der Mehrzahl der Fälle motivierte, loyale Mitarbeitende, die Sie heute auf dem regulären Arbeitsmarkt nur schwer finden. Wir möchten unsere Teilnehmenden in eine Festanstellung bringen — in Voll- oder Teilzeit, je nach Lebenssituation. Praktikum und Vermittlung sind Stationen auf diesem Weg, nicht das Endziel.
Was wir für Sie übernehmen:
Und was wir umgekehrt von Ihnen brauchen — kurz und ehrlich:
Sie müssen kein Sprachprofi sein. Sie müssen kein Hochqualifizierungs-Programm bieten. Sie müssen vier Wochen Geduld haben — und am Ende eine knappe Anwesenheitsmeldung und, idealerweise, ein paar Zeilen Zeugnis. Mehr nicht.
Wir wollen, dass das Praktikum für beide Seiten gut läuft — und sind aus Erfahrung gerade bei zwei Punkten lieber von Anfang an offen, statt sie in der zweiten Woche unangenehm zu entdecken.
1) Kostenneutral — mit einer leisen Bitte bei der Arbeitskleidung.
Das Praktikum ist für Sie kostenneutral: kein Stundenlohn, keine Vergütung, keine Sozialabgaben. Versicherung und Begleitung übernehmen wir, und auch diese Leistungen sind für Sie kostenfrei. Was uns ehrlich gesagt sehr hilft — und in einigen Bereichen schlicht Vorschrift ist: wenn Sie für die vier Wochen die notwendige Arbeitskleidung (Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Schutz- und Berufskleidung) stellen können. Gerade in Metallbau, Schweißerei, im Bauhandwerk oder in der Küche ist die richtige Schutzausrüstung nicht verhandelbar. Falls Ihr Betrieb das für ein Kurzzeit-Praktikum nicht abdecken kann — das ist absolut verständlich. Bitte sprechen Sie uns dann früh an, nicht erst kurz vor Beginn. Für Einzelfälle gibt es Wege, das gemeinsam zu lösen — etwa über das Vermittlungsbudget des zuständigen Jobcenters. Wichtig zu wissen: Nach Antritt des Praktikums ist eine nachträgliche Beantragung oder Kostenerstattung über das Jobcenter nicht mehr möglich. Wir bitten Sie deshalb herzlich, ein mögliches Praktikum nicht an dieser einen Hürde scheitern zu lassen — sprechen Sie uns frühzeitig an, dann finden wir mit Ihnen und dem zuständigen Jobcenter gemeinsam einen Weg.
2) Arbeitszeit — Montag bis Freitag, kein Wochenende.
Weil das Praktikum eingebettet in eine geförderte Maßnahme stattfindet, dürfen unsere Teilnehmenden ausschließlich von Montag bis Freitag eingesetzt werden. Samstags- und Sonntagsdienste sind regulatorisch ausgeschlossen — auch wenn alle Beteiligten es gern anders hätten. Im Einzelhandel und in der Gastronomie ist das häufig ein Knackpunkt. Wir möchten das vor dem ersten Praktikumstag offen besprechen, damit Ihre Dienstplanung passt — und damit Sie für sich ehrlich entscheiden können, ob das Modell zu Ihrem aktuellen Bedarf passt. Spätere Wochenendschichten als Festangestellte:r sind natürlich kein Problem; die Einschränkung gilt nur für die Praktikums-Phase.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, Teil dieser Initiative zu werden — je nachdem, wo Sie gerade stehen:
Das hier ist erst der Anfang. „Praktikumsplätze für Geflüchtete" ist die erste, aber sicher nicht die einzige Initiative, an der wir gerade arbeiten. In den kommenden Monaten werden wir weitere soziale und arbeitsmarkt-bezogene Projekte vorstellen — und auch dort gilt: Wir suchen Mitstreiter:innen, nicht Zuschauer:innen.
Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben möchten, schauen Sie regelmäßig in unsere Aktuelles-Rubrik. Und wenn Ihnen dieser Beitrag etwas gegeben hat — leiten Sie ihn weiter. Yana hatte Glück, weil Frau Müller anrief. Damit das nächste Mal jemand bei Ihnen anruft, müssen wir alle ein bisschen lauter werden.
Mehr erfahren & mitmachen: Die vollständige Geschichte der Initiative, sieben Stimmen aus dem Programm sowie alle Details zu Ablauf, Versicherung und Begleitung finden Sie auf unserer Seite Praktikumsplätze für Geflüchtete im Saarland. Eine kurze Nachricht über das Kontaktformular der Initiative reicht — wir melden uns innerhalb weniger Tage.