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Soziale Projekte

Vier Wochen, die ein Leben verändern: unsere Initiative für Praktikumsplätze im Saarland

  • Mai 11, 2026
  • Kevin Steffgen
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Praktikumsplätze für Geflüchtete im Saarland — Initiative des taylorix institut

„Ich habe zwei Wochen lang nur geweint. Ich verstand nichts. Ich dachte, ich kann das nicht."

So beginnt Yanas Geschichte. Yana kam 2022 aus Kiew, mit ihren beiden Kindern und einem einzigen deutschen Wort im Gepäck: „Danke." Heute steht sie hinter der Theke einer kleinen Bäckerei am Rande von Saarbrücken, kennt die Stammkundschaft mit Namen und macht Schichtpläne mit. Dazwischen liegen vier Wochen — vier Wochen Praktikum, die alles verändert haben.

Yana ist kein Einzelfall. Sie ist der Grund, warum wir am taylorix institut eine neue Initiative ins Leben gerufen haben.

Worum geht es?

Mit der Initiative „Praktikumsplätze für Geflüchtete im Saarland" bringen wir zwei Welten zusammen, die sich gegenseitig brauchen:

  • Geflüchtete Menschen aus der Ukraine, aus Syrien und anderen arabischsprachigen Ländern — überwiegend auf Sprachniveau A1 bis A2, manchmal B1. Viele von ihnen sind in ihren Herkunftsländern ausgebildete Fachkräfte: Erzieher:innen, Bauleiter, Elektroniker:innen, Schweißer, Krankenpfleger:innen, Buchhalter:innen, Schneider:innen, Friseur:innen — die Liste ist lang. In Deutschland scheitern sie aktuell nicht an ihrer Qualifikation, sondern an der Sprache. Bis das Niveau für den ursprünglichen Beruf wieder reicht, brauchen sie einen Einstieg über erste Tätigkeiten — und Praxis, viel Praxis. In unseren Sprach- und Helfer-Qualifizierungen haben sie genau dafür die Grundlagen gelegt.
  • Kleine, mittlere und größere Unternehmen im Saarland, die einen Praktikumsplatz anbieten können — branchenoffen. Wir denken besonders an Pflegeunterstützung, Lager und Logistik, Einzelhandel, Reinigung, Hauswirtschaft, Gastronomie, Garten- und Landschaftsbau, Sicherheits- und Wachdienste — aber genauso an Metallbau, Schweißerei, Schlosserei, KFZ-Werkstätten, Maler- und Lackiererarbeiten, Maurer- und Bauhilfstätigkeiten, Elektrohandwerk und alle weiteren Bereiche, in denen praktische Mitarbeit gefragt ist. Jeder Praktikumsplatz zählt — gerade dort, wo Sprache durch Anpacken gelernt wird, nicht durch Lehrbuch.

Vier Wochen Praktikum — unbezahlt, mit Versicherung über uns, mit sozialpädagogischer Begleitung durch unser Team. Das ist die Brücke.

Warum jetzt? Die Förderlücke

Wir erleben es täglich: Integrations- und Sprachkurse werden gekürzt. Förderbescheide bleiben aus oder kommen Monate zu spät. Zwischen Kurs A und Kurs B liegen oft ein, zwei, drei Jahre — und wer aus dem System fällt, kommt schwer zurück.

Selbst wer B1 erreicht, hat oft ein Problem: Sprechen geht meistens. Aber Schreiben, Lesen, Rechtschreibung — das bleibt lückenhaft. Die Klassenraum-Sprache reicht nicht für den Arbeitsalltag. Was fehlt, ist Praxis.

Ohne Sprache — kein Job. Ohne Job — keine Sprachpraxis. Eine Sackgasse, aus der niemand allein herauskommt.

Unser Sozialpädagogen-Team

Genau hier setzt unsere Initiative an. Wir öffnen die Sackgasse — gemeinsam mit den Unternehmen im Saarland.

Was Sie als Unternehmen davon haben

Ehrlich gesagt: Wir wissen, dass Sie auch von dieser Initiative profitieren. Und das ist gut so. Aus vier Wochen Praktikum werden in der Mehrzahl der Fälle motivierte, loyale Mitarbeitende, die Sie heute auf dem regulären Arbeitsmarkt nur schwer finden. Wir möchten unsere Teilnehmenden in eine Festanstellung bringen — in Voll- oder Teilzeit, je nach Lebenssituation. Praktikum und Vermittlung sind Stationen auf diesem Weg, nicht das Endziel.

Was wir für Sie übernehmen:

  • Versicherung während des Praktikums.
  • Sozialpädagogische Ansprechpartner:innen für Konflikte, Fragen oder einfach für ein Gespräch — auf beiden Seiten.
  • Auswahl und Vorschlag: Wir schlagen Ihnen vorrangig Personen vor, deren Wunsch-Arbeitsbereich zu Ihrem Praktikumsplatz passt. Gelegentlich kommen aber auch Menschen zu uns, die (noch) in keinen klaren Bereich richtig hineinpassen — weil ihr Lebensweg sie woandershin geführt hat oder weil sie selbst noch herausfinden, wohin es gehen soll. Wenn Sie für jemanden offen sind, der quer zu Ihrer Branche steht, aber lernwillig und motiviert ist, sind wir besonders dankbar. Gerade diese Teilnehmenden brauchen den ersten Anfang am dringendsten.

Und was wir umgekehrt von Ihnen brauchen — kurz und ehrlich:

  • Anwesenheitserfassung wie bei einer regulären Beschäftigten oder einem regulären Beschäftigten. Ein Praktikum ist arbeitsrechtlich kein Klassenraum, sondern eine Art Beschäftigung — bitte erfassen Sie Anwesenheits- und Fehlzeiten Ihres oder Ihrer Praktikant:in und melden uns diese kurz wöchentlich (ein formloses E-Mail oder ein einfacher Stundenzettel genügt). Wir koppeln das in unsere Maßnahmen-Dokumentation ein.
  • Eine knappe Lerndokumentation wäre fachlich ebenfalls Sache des Betriebs — in den allermeisten Fällen können wir darauf aber verzichten oder Ihnen ein sehr schlankes Wochenraster zur Verfügung stellen. Hier sind wir flexibel.
  • Ein Praktikumszeugnis zum Abschluss wäre für den oder die Teilnehmende Gold wert. Wenn Sie selbst eines ausstellen können, bitten wir herzlich darum — auf Ihrem Briefpapier, mit Ihrer Unterschrift, mit den Tätigkeiten, die Sie wirklich beobachtet haben. Falls Zeit oder Format fehlen, haben wir eine schlichte Vorlage als Fallback — sie ist gut, aber bei weitem nicht so wertvoll wie ein echtes betriebliches Zeugnis. Ein vom Betrieb unterzeichnetes Zeugnis öffnet später Türen, die unsere Standard-Vorlage nicht öffnen kann.

Sie müssen kein Sprachprofi sein. Sie müssen kein Hochqualifizierungs-Programm bieten. Sie müssen vier Wochen Geduld haben — und am Ende eine knappe Anwesenheitsmeldung und, idealerweise, ein paar Zeilen Zeugnis. Mehr nicht.

Worüber wir vorab gemeinsam sprechen sollten

Wir wollen, dass das Praktikum für beide Seiten gut läuft — und sind aus Erfahrung gerade bei zwei Punkten lieber von Anfang an offen, statt sie in der zweiten Woche unangenehm zu entdecken.

1) Kostenneutral — mit einer leisen Bitte bei der Arbeitskleidung.
Das Praktikum ist für Sie kostenneutral: kein Stundenlohn, keine Vergütung, keine Sozialabgaben. Versicherung und Begleitung übernehmen wir, und auch diese Leistungen sind für Sie kostenfrei. Was uns ehrlich gesagt sehr hilft — und in einigen Bereichen schlicht Vorschrift ist: wenn Sie für die vier Wochen die notwendige Arbeitskleidung (Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Schutz- und Berufskleidung) stellen können. Gerade in Metallbau, Schweißerei, im Bauhandwerk oder in der Küche ist die richtige Schutzausrüstung nicht verhandelbar. Falls Ihr Betrieb das für ein Kurzzeit-Praktikum nicht abdecken kann — das ist absolut verständlich. Bitte sprechen Sie uns dann früh an, nicht erst kurz vor Beginn. Für Einzelfälle gibt es Wege, das gemeinsam zu lösen — etwa über das Vermittlungsbudget des zuständigen Jobcenters. Wichtig zu wissen: Nach Antritt des Praktikums ist eine nachträgliche Beantragung oder Kostenerstattung über das Jobcenter nicht mehr möglich. Wir bitten Sie deshalb herzlich, ein mögliches Praktikum nicht an dieser einen Hürde scheitern zu lassen — sprechen Sie uns frühzeitig an, dann finden wir mit Ihnen und dem zuständigen Jobcenter gemeinsam einen Weg.

2) Arbeitszeit — Montag bis Freitag, kein Wochenende.
Weil das Praktikum eingebettet in eine geförderte Maßnahme stattfindet, dürfen unsere Teilnehmenden ausschließlich von Montag bis Freitag eingesetzt werden. Samstags- und Sonntagsdienste sind regulatorisch ausgeschlossen — auch wenn alle Beteiligten es gern anders hätten. Im Einzelhandel und in der Gastronomie ist das häufig ein Knackpunkt. Wir möchten das vor dem ersten Praktikumstag offen besprechen, damit Ihre Dienstplanung passt — und damit Sie für sich ehrlich entscheiden können, ob das Modell zu Ihrem aktuellen Bedarf passt. Spätere Wochenendschichten als Festangestellte:r sind natürlich kein Problem; die Einschränkung gilt nur für die Praktikums-Phase.

Wie Sie mitmachen können

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Teil dieser Initiative zu werden — je nachdem, wo Sie gerade stehen:

  • Sie sind Unternehmen im Saarland und haben einen Praktikumsplatz, auch nur für eine niederschwellige Tätigkeit, auch nur für A1-Niveau? Melden Sie sich bei uns. Wir prüfen den Bedarf, schlagen Ihnen eine passende Person vor und übernehmen die Begleitung.
  • Sie sind selbst geflüchtet und möchten in den Arbeitsmarkt einsteigen? Schauen Sie sich unsere Kurse und Maßnahmen an — von Sprachkursen bis zu berufsbezogenen Helfer-Qualifizierungen. Oder vereinbaren Sie ein unverbindliches Beratungsgespräch.
  • Sie sind Sozialarbeiter:in, Jobcoach oder im Ehrenamt aktiv und kennen Menschen, denen wir helfen könnten? Teilen Sie unsere Initiativen-Seite in Ihrem Netzwerk. Jede Weiterleitung kann den Unterschied machen.
  • Sie möchten einfach mitdenken oder Feedback geben? Auch das hilft uns. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular.
Was als Nächstes kommt

Das hier ist erst der Anfang. „Praktikumsplätze für Geflüchtete" ist die erste, aber sicher nicht die einzige Initiative, an der wir gerade arbeiten. In den kommenden Monaten werden wir weitere soziale und arbeitsmarkt-bezogene Projekte vorstellen — und auch dort gilt: Wir suchen Mitstreiter:innen, nicht Zuschauer:innen.

Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben möchten, schauen Sie regelmäßig in unsere Aktuelles-Rubrik. Und wenn Ihnen dieser Beitrag etwas gegeben hat — leiten Sie ihn weiter. Yana hatte Glück, weil Frau Müller anrief. Damit das nächste Mal jemand bei Ihnen anruft, müssen wir alle ein bisschen lauter werden.

Mehr erfahren & mitmachen: Die vollständige Geschichte der Initiative, sieben Stimmen aus dem Programm sowie alle Details zu Ablauf, Versicherung und Begleitung finden Sie auf unserer Seite Praktikumsplätze für Geflüchtete im Saarland. Eine kurze Nachricht über das Kontaktformular der Initiative reicht — wir melden uns innerhalb weniger Tage.

Kevin Steffgen
Kevin Steffgen
Geschäftsführer

Ich begleite Menschen und Unternehmen dabei, Wissen in echte Stärke zu verwandeln. Meine Schwerpunkte liegen in moderner Erwachsenenbildung, Persönlichkeitsentwicklung und praxisorientierter Weiterbildung mit klarem Zukunftsfokus. Dabei setze ich auf Haltung, Innovation und Lernen, das Wirkung erzeugt.